Stadtrat: Nitrat im Grundwasser

Nitrat

Dass das Münsterland nach wie vor (auch) durch eine intensive Landwirtschaft geprägt ist, ist nicht zu übersehen. Dass das auch Folgewirkungen haben muss liegt daher eigentlich nahe. In der letzten Ratssitzung wurde daher ein Bericht der EWR (Energie- und Wasserversorgung, Stadtwerke Rheine) zur Situation der Nitrat-Belastung in den hiesigen Gewinnungsgebieten vorgestellt.

Zeit zu handeln

Die in meinen Augen gute Nachricht ist, dass der in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) festgeschriebene Grenzwert von 50 mg/l aktuelle im Rohwasser sämtlicher Brunnen mehr oder weniger deutlich unterschritten wird. Die Werte schwanken hier zwischen weniger als 10 mg/l am neuen Wasserwerk Hemelter Bach II und 25-30 mg/l im Wassergewinnungsgebiet Neuenkirchen.

Dass die Belastung durch Nitrat aber durchaus ein Problem für die Zukunft darstellt, streicht der Bericht ebenso deutlich heraus: An den die Brunnen umgebenden Messpunkten wird der Grenzwert für Nitrat nämlich schon jetzt teils deutlich überschritten. Wenig rühmlicher Spitzenreiter ist auch hier Neuenkirchen mit 100-230 mg Nitrat pro Liter Rohwasser.

Die mit dem Nitratabbau einhergehende allgemeine Versäuerung der Böden und des
Grundwassers führt zur Lösung von Aluminium und bewirkt eine größere Mobilisierung von Schwermetallen.
Bericht der EWR

Bei Nitrat geht es nicht nur um Landwirtschaft

Die EWR stellen in ihrem Bericht allerdings ebenso fest, dass der Grund für die Belastung des Grundwassers mit Nitrat nicht nur in der intensiven Landwirtschaft liegt. So neigt der Münsterländer Kieszug, in dem die Wassergewinnungsgebiete Haddorf, Neuenkirchen und St. Arnold liegen aufgrund seines strukturell geringeren Rückhaltevermögens selbst bei der Einhaltung von guter landwirtschaftlicher Praxis zu vergleichsweise hohen Werten.

Ausblick

Die Abbaufähigkeit des Bodens ist in Teilen bereits herabgesetzt, hieran lässt der Bericht keinen Zweifel. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, dass gerade (aber nicht nur) dort, wo unser Trinkwasser gewonnen wird, noch mehr auf die Nährstoffströme geachtet wird – und im Zweifel auch weniger mit organischem Stickstoff, als Gülle, gedüngt wird. Dies, so der Bericht ist unbabweisbar erforderlich, will man die Abbaufähigkeit für Nitrat möglichst lange hoch halten.

Darüber hinaus wird sicherlich auch die in der Sitzung mündlich angekündigten Ankäufe und Extensivierungen von Flächen in der Umgebung der Wassergewinnungsgebiete durch die EWR dazu beitragen, die Nitratbelastung des Bodens insgesamt zu vermindern.

Schlussendlich liegt es aber auch an uns und unserem Konsumverhalten. Dessen waren sich die Ratsmitglieder am vergangenen Dienstags offensichtlich bewusst – und haben sich (infolge dessen?) mit pauschalen Schuldzuweisungen sehr zurückgehalten.

Wer den gesamten Bericht lesen möchte kann das hier tun.

Bild: Christophe Libert